Logo

Fahrradstraße

Definition

Eine Fahrradstraße ist eine für den Radverkehr  vorgesehene Straße. Sie soll die Attraktivität des Radverkehrs steigern und Vorteile gegenüber dem Kraftfahrzeugverkehr schaffen.
Andere Fahrzeuge können mit Zusatzzeichen erlaubt werden,  „Anlieger  frei“ kommt häufig vor. Die Höchstgeschwindigkeit  beträgt für alle Fahrzeuge 30 km/h  Radfahrer dürfen ausdrücklich nebeneinander fahren. Kraftfahrer  müssen gegebenenfalls ihre Geschwindigkeit verringern, um eine Behinderung oder Gefährdung von Radfahrern zu vermeiden.

Zeichen 244 Zeichen 244a
Anfang der Fahrradstraße Ende der Fahrradstraße


Die Verwaltungsvorschrift VwV-StVO schreibt vor:
  1. Fahrradstraßen kommen dann in Betracht, wenn der Radverkehr die vorherrschende Verkehrsart ist oder dies alsbald zu erwarten ist.
  2. Anderer Fahrzeugverkehr als der Radverkehr darf nur ausnahmsweise durch die Anordnung entsprechender Zusatzzeichen zugelassen werden (z.B. Anliegerverkehr). Daher müssen vor der Anordnung die Bedürfnisse des Kraftfahrzeugverkehrs ausreichend berücksichtigt werden (alternative Verkehrsführung).
Quelle: Wikipedia

Kommentar.
Pkt 1 schreibt nicht vor, dass nur Straßen mit überwiegendem Radverkehr zu Fahrradstraßen umgewidmet werden dürfen, sondern lässt es ausdrücklich zu, von einer künftigen Steigerung des Radverkehrsanteils auszugehen und ihn anzustreben.
Pkt 2 besagt, dass motorisierter Verkehr zugelassen werden kann, sofern es keine zumutbaren Alternativen gibt, in der Regel handelt es sich um Anliegerverkehr.  Fehlende Alternativen heißen also nicht, dass eine Fahrradstraße nicht möglich oder nicht empfehlenswert ist, sondern dass Autoverkehr zugelassen wird, aber sich dem Radverkehr unterzuordnen hat

Gesetze und Regelwerke

Fahrradstraßen werden seit 1995 von der Straßenverkehrsordnung (StVO) und der zugehörigen Verwaltungsvorschrift geregelt. Seit September 2009 gilt eine Novelle, die die Regelungen nach neuesten Erkenntnissen verbessert.
Die Ausgestaltung der Radverkehrsanlagen erfolgt nach den „Empfehlungen für Radverkehrsanlagen“ (ERA).

Quelle: Gesetze im Internet, VwV bei Bernd Sluka

Geschichte 

Erste wissenschaftliche Untersuchung: 1981, Niederlande. In den '80 wurden Fahrradstraßen in mehreren deutschen Städten eingeführt, damals noch unter dem Begriff Sonderstraße.
Bremen: Mehrere Fahrradstraßen. Als Ergebnis wurde eine deutliche Zunahme des Radverkehrs beobachtet, bei gleichzeitiger  Erhöhung der Sicherheit (keine Zunahme von Konfliktsituationen).
Buxtehude: Flächenhafte Verkehrsberuhigung mit zwei Fahrradstraßen. Wegen geringer Verkehrsdichte keine genauen Daten zur Sicherheit möglich, jedoch sind in den ersten Jahren keine Unfälle zwischen Radfahrern und Kfz passiert, während sie vor der Maßnahme häufig waren.
Lübeck: Fahrradstraße mit zugelassenem Autoverkehr (früher Einbahnstraße), belebter Verkehr: Bei gleichbleibendem Kfz-Verkehr und mehr als Verdoppelung des Radverkehrs ist die Konflikthäufigkeit signifikant verringert (von 88 auf 51 pro 1000 Begegnungen).
Gladbeck: Fahrradzone Innenstadt. Fahrradstraßen mit zugelassenen Kfz sowie Fußgängerzone mit zugelassenen Fahrrädern. Die "stärkeren" bzw. schnelleren haben sich somit  jeweils den schwächeren und langsameren anzupassen, was im Allgemeinen auch passierte.

Quelle: Programm Fahrradfreundliche Stadt Münster

Vorteile 

Die erhöhte Sicherheit und der Vorrang vor Kfz verleitet mehr Menschen, das Fahrrad als Verkehrsmittel zu nutzen, die früher weniger Fahrrad fuhren, weil sie verunsichert waren, sowie erlaubt Radfahrerinnen und Radfahrern, schnell wichtige Punkte in der Stadt zu erreichen.
Die Erhöhung der Fahrradnutzung führt u.U. zur Verringerung des motorisierten Verkehrs (durch Umstieg vom Auto) auf kurzen Strecken. Zusätzlich dazu wird die Verkehrsbelastung durch die langsamere, angepasste Fahrweise der Kfz erreicht.
Die veränderten Verhältnisse und Fahrweise führen ebenfalls zu einer geringeren Zahl an Unfällen.
Fahrradstraßen steigern das Selbstbewusstsein von diesen Radfahrerinnen und Radfahrern, die früher eher eingeschüchtert waren und auf ihre Rechte gegenüber Kfz-Fahrern bewusst verzichteten. Eine Selbstbewusste, sichere Fahrweise wirkt aber nachweislich ebenfalls gefahrmindernd.
Die Aufenthaltsqualität für Fußgänger verbessert sich ebenfalls - nicht nur wegen der geringeren Belastung durch Lärm und Abgase, sondern weil der ruhigere Verkehr  z.B. problemloses queren der Straße an beliebigen Stellen erlaubt, selbst bei hohem Radverkehrsaufkommen.

Quelle: Programm Fahrradfreundliche Stadt Münster

Nachteile 

Trotz genannter Vorteile gibt es gelegentlich bei der Einführung von Fahrradstraßen Probleme und neue Gefahren. So kommt es häufig vor, dass Autofahrer den Begriff Fahrradstraße nicht kennen bzw. seit ihrer Fahrprüfung vergessen haben, oder die Regeln nicht befolgen wollen, weil sie generell Radfahrer nicht als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer ansehen.
Ein anderer Nachteil ist das subjektive Empfinden mancher Radfahrerinnen und Radfahrer, die sich auf einem baulich getrennten Radweg sicherer fühlen - ein trügerisches Gefühl, das Tatsachen widerspricht: Auf Radwegen passieren erheblich mehr Unfälle als auf Straßen ohne Radwege. Somit sind Fahrradstraßen erst recht sicherer als traditionelle Radwege.

Die häufigste Ursache für eine subjektive Verunsicherung auf Fahrradstraßen sind zu schnell fahrende und zu eng überholende Kfz. Dies spricht dafür, für Fahrradstraßen vor allem recht breite Straßen zu wählen, oder diese effektiv breiter zu machen, in dem  das Parken am Straßenrand untersagt wird. Letzteres birgt jedoch ein Konfliktpotenzial mit den Anwohnern und führt zur Ablehnung der Fahrradstraße bei einem Teil der Bevölkerung.

Hier sind die Stadtverwaltung und die örtliche Polizei gefragt, beim Ausweisen von Fahrradstraßen diese Maßnahme mit ausreichender Information, Einbeziehung der Anwohner sowie Durchsetzung der Regeleinhaltung zu flankieren.

Quelle: , Programm Fahrradfreundliche Stadt Münster

Konzept für Fellbach

Durch seine langgezogene Form hat Fellbach einige Hauptadern in Nord-Süd-Richtung, sowie viele kleine und ruhige Querstraßen. Es besteht keine Notwendigkeit, alle N-S-Achsen für den motorisierten Verkehr zu optimieren, da der Fern- und Durchgangsverkehr  bequem z.B. auf die Höhenstraße ausweichen kann.
Vor allem die Bahnhofstraße ist hoffnungslos überlastet. Trotz geringer Breite, ewig belegter Parkplätze und durchfahrender und immer wieder anhaltender Busse wird sie von vielen als Hauptachse gesehen. Die äußerst engen Gehwege sind wenig einladend, ein Einkaufsbummel kein Spaß. Es ist auch die einzige N-S-Route mit einem baulich getrennten Radweg. Wie erwähnt, ist die Ansicht verbreitet, dass Radwege zur Sicherheit der Radfahrer beitragen, was wiederum zur starken Frequentierung der Bahnhofstraße durch Radfahrer führt - ständige Gefahren durch abbiegende Autos, aufgehende Beifahrertüren und Konflikte mit Fußgängern sind die logische Konsequenz.
Um die Bahnhofstraße zu entlasten, sollte dem Radverkehr eine gute, schnelle und sichere Route angeboten werden. Am 22.06.2010 legte die Stadtverwaltung dem Gemeinderat ein Konzept einer Fahrradstraße im Zuge der Theodor-Heuss- und Pfarrer-Sturm-Straße vor,  an dem der Runde Tisch Fahrrad mitgewirkt hat und das in drei Ausschüssen bzw. Beiräten beraten wurde. Der Gemeinderat hat mit der Mehrheit der großen Fraktionen das Konzept jedoch abgelehnt, mit der Begründung, dass das Gesamtkonzept des Radwegenetzes nicht fertig ist.. Der entsprechende Artikel ist in der FZ zu lesen.

Aus unserer Sicht ist die Begründung nicht nachvollziehbar. Am Gesamtkonzept soll die Stadtverwaltung mehrere Jahre arbeiten, die vorgeschlagene Route wäre eine Verbesserung für den Radverkehr schon jetzt, ohne dem Gesamtkonzept zuwiderzulaufen:
Die von den Gegnern des Projekts vorgeschlagene Überprüfung anderer Routen, z.B. der Pestalozzistraße kann kaum als brauchbare Alternative bezeichnet werden. Dort ist die Geschwindigkeit schon auf 20 km/h reduziert und die Anwohner haben sich größtenteils an die Zulassung beider Fahrtrichtungen für Radfahrer längst gewöhnt, da die Straße täglich von sehr vielen Schulkindern befahren wird. Eine Änderung in eine Fahrradstraße wäre an dieser Stelle womöglich sogar eine Verschlechterung.
In unserem Empfinden ist der Vorschlag als eine unverbindliche Deklaration zu interpretieren: Fahrradstraße - im Prinzip ja, aber nicht jetzt und nicht hier.
Damit bleiben die Radfahrer in Fellbach leider immer noch Verkehrsteilnehmer zweiter Klasse, die man dorthin verbannt, wo sie den "echten" Verkehr am wenigsten stören.
Top Home Impressum Besucher:   Copyright © 2009 AT